Frauen in der Chefetage | Die Wirtschaftsfrau

Die Methodik von Frauen und Männern in der Chefetage unterscheidet sich enorm.

Frauen in der Chefetage

Die wichtigste Kompetenz? Der Glaube an die eigene Fähigkeiten!
Dieser Artikel sollte zunächst – klassisch für einen Fachartikel – zehn Kompetenzfelder aufzählen, welche im Bezug auf weibliche Führungskräfte wichtig sind. Allerdings ist es eine grosse Herausforderung, aus diesem Thema einfach eine Aufzählung zu erstellen, da es nicht in erster Linie darum geht, sich gewisse Kompetenzen anzueignen. Nein, es dreht sich viel mehr darum, sich bewusst zu werden, dass man als Frau schon viel mehr kann, als man sich selber eigentlich zutraut. Die grösste Baustelle ist immer noch unser Selbstbewusstsein.

Das „neue“ weibliche Selbstbewusstsein ist längst auf dem Vormarsch
Kratzbürstig, harsch, fast männlich – in diese Schublade werden erfolgreiche Frauen, die es in die Führungsetage geschafft oder ihr eigenes Unternehmen gegründet haben, häufig gesteckt. Anders kommt man in der Karriereleiter ja nicht nach oben – man muss als Frau in der Geschäftswelt oftmals versuchen, ein besserer Mann zu sein. Das ist völliger Unsinn und zum Glück wissen wir Frauen das auch.

Bei uns Frauen ist ein neues Selbstbewusstsein entstanden, mit dem wir heute die Geschäftswelt mitbestimmen. Wir haben unseren eigenen weiblichen Weg in die Führungsetage gefunden und versuchen dabei alles andere, als bessere Männer zu sein. Und der Erfolg gibt uns recht: Eine Studie des Swiss Credit Research Instituts zeigt, dass Unternehmen, die einen hohen Frauenanteil in der Chefetage haben, im Schnitt profitabler arbeiten.

Dabei treffen Frauen häufig noch die gerechteren Entscheidungen gegenüber ihren Mitarbeitenden.

Das zeigt eine weitere Studie, die von der Personalberatung Intersearch Executive Consultants in Auftrag gegeben wurde. Frauen wirken auf ihre Mitarbeitenden weniger machtbesessen und gelten als kommunikativ, diplomatisch und organisiert.

Diese Bereiche sind wichtig, um eine noch bessere Führungskraft zu werden
Sie haben gesehen: Frauen sind eigentlich schon ganz gut aufgehoben in der Führungsetage. Trotzdem gibt es natürlich Bereiche, an denen man als Frau in einer leitenden Position noch arbeiten kann.

1. Rhetorik: Dieses Feld ist wichtig, um als erfolgreiche Führungskraft innerhalb des Unternehmens und auch als Expertin in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Denn gut arbeiten alleine reicht nicht aus. Sie müssen lernen, dafür zu sorgen, dass das auch jemand mitbekommt. Hier sind Männer häufig noch wesentlich besser – denn sie haben einfach die grössere Klappe! Ich will Ihnen gar nicht einreden, diese entwickeln zu müssen. Aber sich im Bereich Rhetorik coachen zu lassen, hilft sicherlich vielen von uns Frauen. Denn so können Sie lernen, Unsicherheit abzulegen, wenn es darum geht, vor vielen Menschen zu sprechen. Gerade, wenn Sie also zu den Menschen gehören, denen es vor grossen Auftritten und Speaker-Tätigkeiten auf Konferenzen graut: Laufen Sie nicht davor weg, sondern stellen Sie sich dieser Angst. Suchen Sie sich Rhetorik-Seminare oder ein Coaching, um in diesem Bereich fitter zu werden.

2. Visionen und Ziele für Ihr Unternehmen und Ihre Karriere: Visionen brauchen Sie nicht nur für sich, sondern auch für ein motivierendes Führen von Mitarbeitenden.

Sie müssen in der Lage sein, aufzuzeigen, wohin die Reise geht.

Deshalb ist es wichtig, dass Sie immer wieder hinterfragen, welche Ihre eigenen Visionen und Ziele im Leben sind, wie diese im Unternehmen aussehen und welche Sie Ihren Mitarbeitenden vermitteln können. Es ist durchaus sinnvoll, dass Sie sich Ihre Ziele aufschreiben. Warum? So stellen Sie sicher, dass diese klar formuliert und umsetzbar sind. Und: Sie werden eher erfüllt. Vielleicht kennen Sie hierzu die im Jahr 1979 durchgeführte Untersuchung an der Harvard-Universität über den Werdegang von Absolventen. Die Studie erfolgte über einen Zeitraum von zehn Jahren. Die Ergebnisse: 83% der Abgänger hatten keine konkrete Zielsetzung für ihre Karriere. 14% der Absolventen hatten zwar klare Zielsetzungen, hielten diese allerdings nicht schriftlich fest. Diese 14% der Absolventen verdienten zehn Jahre nach ihrem Abschluss im Schnitt das Dreifache der Absolventen aus Gruppe 1, die keine festen Ziele hatten. Die restlichen 3% der Absolventen hatten klare Ziele und schrieben diese auch auf. Sie verdienten im Schnitt das Zehnfache der Absolventen aus Gruppe 1, die keine festen Ziele hatten.

Setzen Sie sich also regelmässig mit Ihren Visionen und Zielen für Ihr Leben und Ihre Karriere auseinander und halten Sie diese schriftlich fest.

Das hilft, konkreter zu formulieren und offensichtlich auch beim Erreichen.

3. Motivation – lassen Sie Ihren Eigenantrieb nicht ausser Acht: Als Unternehmerin oder Führungskraft in einem Unternehmen gehört nicht nur viel Wissen und Durchsetzungsvermögen dazu, sondern auch Disziplin und Motivation.

Der Eigenantrieb ist das A und O, wenn Sie als Führungskraft dauerhaft erfolgreich sein wollen.

Doch wie sorgen Sie dafür, dass die Motivation auch bei Ihnen selbst nicht auf der Strecke bleibt? Wenn Sie in einer Phase sind, in der Ihr Eigenantrieb zu wünschen übrig lässt, hinterfragen Sie die Ursachen! Woran liegt es? Hier einige Bereiche, in denen Sie fündig werden könnten:

  • Ihr Aufgabengebiet macht Ihnen keinen Spass mehr – dann ist es Zeit, sich eine neue Aufgabe zu suchen. Vielleicht sind Sie in der Position, dass Sie mehr an Mitarbeitende abgeben können? Oder Sie suchen sich gänzlich eine neue Herausforderung. Umdenken ist definitiv gefragt. Bei einem Motivationsloch einfach so weiterzumachen wie bisher, führt nur zum Stillstand.
  • Mitarbeitende demotivieren Sie? Es kann natürlich immer sein, dass es Quertreiber im Team gibt oder manche Ihrer Mitarbeitenden weniger gut mit Ihnen klarkommen. Versuchen Sie es mit einem klärenden Gespräch, um die Probleme festzumachen. Bringt das nichts, könnte es auch helfen, dass Sie diese Personen nicht mehr direkt führen und einem Teamleiter oder einer Teamleiterin unterstellen.
  • Neue Impulse suchen! Jeden Tag die gleiche Arbeit, Entscheidungen und Druck. Suchen Sie sich auch für sich bewusst neue Impulse.Das kann über den Austausch mit anderen Unternehmerinnen gelingen oder über die Teilnahme an Konferenzen oder Seminaren.
  • Haben Sie genug Ausgleich? Häufig appellieren Unternehmer und Führungskräfte daran, dass Mitarbeitende sich neben der Arbeit genug Zeit für Sport und andere Hobbys nehmen, doch sich selbst vergisst man dabei leider zu oft. Hinterfragen Sie sich also ernsthaft: Haben Sie genügend Ausgleich? Wenn nicht, wird das auch einen Beitrag zur Demotivation beitragen.

4. Authentizität: Bleiben Sie sich treu: Dass Frauen sich in ihrer Rolle als Führungskraft authentisch fühlen, ist wichtig für den Erfolg in dieser Position. Denn ist das nicht der Fall, fehlt Frauen häufig die Basis, um dieser Rolle gerecht zu werden. Dann belegt Unsicherheit Ihr Handeln.

Dringt diese Unsicherheit nach aussen, werden Sie nicht ernst genommen und können in Ihrer Rolle nicht weiterwachsen.

Das bedeutet für Sie: Begeben Sie sich in ein unternehmerisches Umfeld, in dem Sie ganz Sie selbst sein können. Müssen Sie sich zu sehr verstellen und widerspricht vieles in dieser Position Ihrem eigentlichen Typ, werden Sie hier nicht glücklich und auch nicht erfolgreich.

5. Last but not least – Selbstbewusstsein: Dieser Punkt ist zwar der letzte, aber auch einer der wichtigsten Punkte, der in Bezug auf Ihre Führungsposition eine Rolle spielt. In puncto Selbstbewusstsein unterscheiden sich Frauen häufig immer noch massgeblich von Männern. Diesen ist es im Vergleich zu Frauen weniger unangenehm, sich besser darzustellen, als sie sind, mehr Gehalt einzufordern oder ihre Meinung als wichtig anzusehen. Und es gibt nur eine Personengruppe, die das wirklich ändern kann: Die Frauen.

Eine sehr inspirierende Rede zu diesem Thema hat die Schauspielerin Reese Witherspoon gehalten. In dieser Rede spricht sie davon, dass sie es leid war, immer wieder Rollen zu spielen, in denen sich Frauen in Krisensituationen hilflos an den Mann wandten und sagten: „What do we do now?“ – frei übersetzt also: „Und jetzt?“ In Witherspoons Augen ist so eine Filmsituation das komplette Gegenteil der Realität.

„Frauen sind es, die in Krisensituation einen kühlen Kopf bewahren. Es gibt keine, wirklich keine Situation, in der wir nicht wüssten, was zu tun ist.“, so Witherspoon weiter. Mit dieser Erkenntnis zog die Schauspielerin los und wollte in Hollywood für Veränderung sorgen. Doch zunächst hat sie sich die Zähne ausgebissen. Filmproduzenten blockten sie ab mit der Begründung: „So ist es halt, das wollen die Leute eben sehen.“ Statt zu resignieren, nahm die Schauspielerin ihr Vorhaben selbst in die Hand: Sie gründete ihre eigene Produktionsfirma mit der klaren Vision, Geschichten von Frauen zu erzählen. Drehbücher werden von Frauen geschrieben, Hauptrollen von Frauen besetzt.

Rollen, die starke, selbstbewusste, kämpferische Frauen zeigen.

Reese Witherspoon hat sich getraut und hat damit grossen Erfolg. Ihre Produktionsfirma wuchs Jahr für Jahr weiter. Ihre Filme räumen internationale Preise ab, obwohl ihr von vielen Seiten im Vorfeld gesagt wurde: Von Frauen dominierte Filme haben keine Chance in Hollywood!

Mit ihrer Geschichte will Reese Witherspoon ein Exempel statuieren und Frauen motivieren, umzudenken: „Fragen Sie sich bitte selbst: Was machen wir jetzt? Was gibt es in Ihrem Leben, wovon Sie denken, dass Sie es nicht erreichen können? Und welche Gründe wurden Ihnen genannt, warum es nicht klappen sollte? Würde es sich nicht super anfühlen, denen allen das Gegenteil zu beweisen? Ich denke, Ehrgeiz ist kein schlechtes Wort.

Es geht einfach darum, an sich selbst und seine Fähigkeiten zu glauben.

Denken Sie darüber nach, was passieren könnte, wenn Sie ein wenig mehr an Ihre eigenen Fähigkeiten glauben würden. Ich glaube, die Welt wäre eine andere.“

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TYPE A FILMS

Type A Films wurde im Jahre 2000 von Reese Witherspoon gegründet. Sie wollte Filme mit starken weiblichen Hauptpersonen produzieren – und damit junge Frauen ansprechen. Mit ihrem Film „Natürlich blond“ (2001) gelang ihr der Durchbruch und Type A Films gewann an Bekanntheit. Es folgten weitere Filme, darunter „Natürlich blond 2“ (2003) und „Mein Schatz, unsere Familie und ich“ (2008).

Im Jahre 2012 fusionierte Type A Films mit Make Movies von Bruna
Papandrea, einer australischen Filmproduzentin, und wurde zur Produktionsfirma Pacific Standard. Zusammen produzierten die beiden Frauen unter anderem die Filme „Der grosse Trip – Wild“ (2014) und „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ (2014). Beides Filme, die für einen Oscar nominiert wurden. Die von Pacific Standard produzierte Serie „Tausend kleine Lügen“ (2017) wurde für 16 Primetime Emmys nominiert und gewann deren acht. 2016 trennten sich Witherspoon und Papandrea wieder, Letztere verliess das Unternehmen und Witherspoon übernahm die volle Verantwortung für Pacific Standard. Im selben Jahr gründete Witherspoon zusammen mit Otter Media das Joint Venture Hello Sunshine. Seither ist Pacific Standard als Tochtergesellschaft ebendieses Joint Ventures angesiedelt.

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