Ist die Schweizer Wirtschaft bereit für co- und remote-working? | DIE WIRTSCHAFTSFRAU
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Die Infrastruktur von Co-Working Spaces richtet sich nach den Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzer.

Ist die Schweizer Wirtschaft bereit für co- und remote-working?

Wir haben bei zwei frauengeführten Co-Working Spaces nachgefragt. Der Wunderraum in Pfäffikon SZ wird vom Duo Elisabeth Hirtl und Maria Bassi seit 2018 geführt. Im gleichen Jahr eröffneten Estefanía Tapias und Laura Seifert an zentraler Lage, an der Zürcher Bahnhofstrasse, den Co-Working Space ihrer Community für starke, inspirierende Frauen.

Doch was ist Co-Working? Warum eignet es sich besonders auch für Firmen die Remote Working ermöglichen? Und was tut man eigentlich in einem Co-Working Space?

Co-Working Spaces sind vollausgestattete Büroflächen, die von Selbstständigen, Start-ups, Unternehmenden und Mitarbeitenden in Remote-Arbeit genutzt werden können. Dort können Sie die täglichen Arbeiten und Aktivitäten erledigen. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Nutzungsmöglichkeiten: Von stundenweisem Einmieten über langfristige Fixbelegung eines Arbeitsplatzes bis hin zu Tagesveranstaltungen.

Die Infrastruktur der CoWorking Spaces richtet sich dabei meist an den Bedürfnissen der Nutzer und Nutzerinnen.

Gleichzeitig bieten Co-Working Spaces ebenfalls die Möglichkeit, ein breites Netzwerk für Kontakte zu anderen Menschen aus den verschiedensten Branchen aufzubauen. Das bietet
Chancen für die effiziente Zusammen- arbeit über die Unternehmensgrenzen hinaus. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass die Co-Worker in der Regel nicht mehr als ein Smartphone, ein Zugang in das Internet oder einen Laptop benötigen, um ihren Arbeiten nachzukommen. In einigen Spaces können überdies komplette Büroassistenz-Dienstleistungen und Meeting- räume dazugebucht werden.

Laura, Estefanía, – in wenigen Worten – welches Konzept steht hinter WeSpace?

WeSpace: WeSpace ist eine physische und digitale Plattform, inspiriert von Frauen, für alle und bietet Arbeitspätze und Events.

Und auf welches Konzept baut der Wunderraum, Elisabeth und Maria?

Wunderraum: Arbeiten mit Wohlfühlfaktor für Unternehmer, Co-Worker und Selbstständige, die Design, Services und individuelle Lösungen wertschätzen.

Zwei Co-Working Spaces mit zwei unterschiedlichen Ansätzen, weshalb habt ihr euch bei der Gründung denn genau für dieses Konzept entschieden?

Wunderraum: Wir verbringen viel Zeit mit unserer Arbeit. Dies soll in einer Umgebung sein, in der wir konzentriert und gut arbeiten können, Inspiration finden, uns wohlfühlen und auf Wunsch Unterstützung erhalten. Gutes Design, eine angenehme Atmosphäre und eine hochwertige Infrastruktur setzen den Rahmen dazu. Umfassende Services von Administration bis Beratung für Unternehmer helfen diesen, sich auf ihr Business
und ihre Kunden zu konzentrieren, schnell zu starten und Nebenaufgaben auszulagern. Persönliche Kontakte, herzliche Begegnungen und Gastfreundschaft stellen den Kunden und Co-Worker ins Zentrum – es braucht diese persönlichen Interaktionen neben dem virtuellen Arbeiten und den zahlreichen Online-Netzwerken.

WeSpace: Wir wollen eine Community erfolgreicher und inspirierender Frauen in grossen Europäischen Städten schaffen, die sich gegenseitig auf ihrer beruflichen Reise begleitet und unterstützt.

Gefühlt gibt es jeden Monat irgendwo in der Schweiz einen neuen Co-Working Space, aber ist die Schweizer Wirtschaft eurer Meinung nach überhaupt schon bereit für so viele Co-Working Spaces? Wenn nicht, was müsste/sollte sich noch ändern?

WeSpace: Einer der Services die WeSpace bietet ist auch Co-Working (dies ist allerdings nur ein Teil unseres Geschäftsmodells). Es besteht viel Bedarf für Co-Working in der Schweiz, auch wenn andere Länder sicherlich weiter entwickelt sind. Den grössten Aufholbedarf sehen wir bei Grossfirmen, die sich neuen Arbeitsmethoden gegenüber noch stärker öffnen könnten.

Wunerraum: Aus unserer Sicht braucht es noch einiges, bis eine Vielzahl von Arbeitnehmenden von den Vorteilen der Arbeit an Drittorten profitieren kann. Firmen müssen neben den technischen Möglichkeiten eine Kultur des Vertrauens haben, dass ihre Mitarbeitenden auch ausserhalb des Firmenbüros ihre Arbeit termin- und fachgerecht erledigen. Es braucht eine offene Haltung, Respekt und gute Kommunikation innerhalb von Teams und Organisationen, um echte Flexibilität und SmartWork zu leben. Und, Mitarbeitende müssen sich auch vom Alltagtrott lösen und neue, flexiblere Lösungen ausprobieren. Zudem braucht es firmenspezifische Regelungen wie die Kosten für die Nutzung von Co-WorkingSpaces geregelt wird.

Für viele Selbstständige und Start-ups ist es gerade im Trend, in Co-Working Spaces zu arbeiten. Welche Vorteile hat eurer Meinung nach für Selbstständige das Arbeiten im Co-Working?

WeSpace: Das Arbeiten im Co-Working ist inspirierend und produktiv, und es entstehen immer wieder neue Projekte.

Wunderraum: Selbstständige finden ohne Investitionen und Zeitverlust ein vollständiges, funktionierendes Arbeitsumfeld und können sich zu 100% auf ihre Tätigkeit fokussieren.
Der Faktor „Einsamkeit“ oder die Ablenkung im Homeoffice fallen weg.
Co-Worker werden zu Sparring-Partnern und geben Impulse und Inspiration.

Offline Netzwerke werden aufgebaut, neue Kooperationen entstehen und zusätzliche Aufträge können gewonnen werden.

Repräsentative Räume für Kundenmeetings stehen dann zur Verfügung, wenn man sie braucht und binden nicht unnötig Kapital. Die Nutzung von unterschiedlichen Spaces gibt die Möglichkeit – je nach Tätigkeit – in immer andere „Welten“ einzutauchen. Kreativität, Agilität werden gefördert und Zeit zwischen Kundenterminen kann optimal genützt werden.

Dass Co-Working oder RemoteWorking für Selbstständige viele offensichtliche Vorteile hat, scheint vielen klar. Doch, wie ihr schon erwähnt habt, gibt es gerade bei grösseren Firmen noch einiges an Nachholbedarf, wenn es um die Möglichkeit des Co-Workings oder Remote-Arbeit ihrer Mitarbeitenden geht. Welches sind denn eurer Meinung nach die wichtigsten Vorteile für Mitarbeitende von Firmen, wenn sie in einem Co-Working Space arbeiten können?

Wunderraum: Es macht Sinn, einen Co-Working Space in der Nähe des Wohnortes zu wählen, um Pendelzeit zu reduzieren und mehr Zeit für Familie oder Hobbies zu gewinnen. Ein DrittOrt bietet im Vergleich zum Homeoffice einen professionelleren Rahmen, schützt vor Ablenkung und Störungen. Unterbrechungen von Bürokollegen werden ebenfalls vermieden – konzentriertes und effektives Arbeiten wird möglich.

Das persönliche Netzwerk vor Ort und ausserhalb der eigenen Firma wird erweitert und kann zu spannenden Begegnungen führen.

WeSpace: Im WeSpace bist Du Teil einer spannenden und sehr diversen Community inspirierender Frauen. Du hast einen PremiumArbeitsplatz im Herzen von Zürich mit spannenden wöchentlichen Events, die zu einem breiten Themenspektrum stattfinden. Immer dort, wo es offenbar Berührungsängste gibt, sind gute Tipps gefragt.

Worauf sollten Leute bei der Auswahl eines für sich passenden Co-Workings alles achten, wenn sie Co-Working einmal als Arbeitsform ausprobieren möchten?

WeSpace: Für uns ist eine produktive Arbeitsathmosphäre zentral. Wir haben einen Ort geschaffen, in dem man sich direkt wohlfühlt und konzentriert arbeiten kann, sowie eine Community, die Frauen stärkt.

Wunderraum: Sie sollten sich im Klaren sein, welchen Mehrwert sie sich durch die Nutzung eines Co-Working Spaces wünschen. Das kann ungestört arbeiten, Austausch / Sparring mit anderen, eine inspirierende Umgebung oder weniger Pendelzeit etc. sein. Und: Dann einfach ausprobieren. Häufig können auch einzelne kostenfreie Schnuppertage gebucht werden.

Rubrik

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Ausgabe

Media und Workspace

Maria Bassi

Funktion
Gründerin & Geschäftsführerin von Wunderraum und ACC Treuhand

Info
Als Treuhandexpertin empfiehlt Maria Bassi allen Neugründern ein professionelles Businessumfeld und ausgewählte Partner als Beschleuniger in die Selbstständigkeit.

Dr. Estefanía Tapias

Funktion
Mitgründerin & CEO von WeSpace

Webseite
wearewespace.com

Info
Dr. Estefanía Tapias promovierte an der ETH Zürich über Future Cities wo sie anschliessend als Forscherin und Projektkoordinatorin tätig war. Estefanía war in 2018 auf der Forbes 30 under 30 EuropaListe, ist WEF Global Shaperin, Gründungspräsidentin der Alum- ni des Europäischen Instituts für Innovation und Technologie (EIT), ehemalige Präsidentin der Climate-KIC Alumni Association und Sprecherin.

Dr. Laura Seifert

Funktion
Mitgründerin & CEO von WeSpace

Info
Dr. Laura Seifert promovierte in Corporate Finance in St. Gallen und arbeitete im Investment Banking von JPMorgan Chase & Co, wo sie zuletzt Kunden bei Fusionen und Übernahmen beriet. In 2019 wurde sie auf der Forbes 30 under 30 DACH Liste geführt.
dr

Elisabeth Hirtls

Funktion
Gründerin & Geschäftsführerin von Wunderraum

Webseite
wunder-raum.ch

Info
Elisabeth Hirtls Erfahrungen aus Hotellerie, Eventmanagement und Personal- & Organisationsentwicklung sind die Basis für ihre heutigen Ziele: Ein modernes Arbeitsumfeld zu bieten, in dem man sich wohlfühlt, produktiv arbeitet und das persönliche Netzwerk erweitert. Sie versteht sich als Dienstleisterin und Netzwerkerin, die professionell sowie persönlich für individuelle Lösungen sorgt, Menschen zusammenbringt und miteinander vernetzt.

1 Comment

  1. […] „Die Wirtschaftsfrau“ wurden zwei unserer Co-Working Kooperationspartner porträtiert. Hier geht es zum Artikel >> Der Vollständigkeit halber findet ihr hier auch noch das Porträt des neuen Co-Workings mit […]

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