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Firmen sollten eine gleichberechtigte Kultur leben.

(Mehr)wert Frau – Wieviel Gewinn darf es sein?

Das Washingtoner Peterson Institut befragte im Jahr 2016 ganze 22’000 Firmen in 91 Ländern. Das beeindruckende Ergebnis: Mehr Frauen – vor allem in der zweiten und dritten Führungsebene im Unternehmen – erhöhen den Gewinn. Das spricht sich herum und viele Firmen wollen mehr Frauen einstellen. Doch woran liegt es dann, dass der Frauenanteil in den Führungsetagen im deutschsprachigen Raum immer noch so gering ist? Eine Spurensuche und ein Mutmachen.

Auch im 21. Jahrhundert kaum zu glauben und ebenso traurig wie wahr: In den Geschäftsleitungen der 100 grössten Schweizer Arbeitgeber waren im Jahre 2016 lediglich acht Prozent Frauen beschäftigt! Wir meinen, dass dies nicht allein an den altmodischen Rollenklischees im deutschsprachigen Raum liegen kann. Oder daran, dass – gerade in der Schweiz – viele Familien nicht unbedingt auf zwei Vollzeitgehälter angewiesen sind. Es muss noch andere Gründe geben, warum viele Unternehmen inzwischen ganz bewusst ihre Führungspositionen weiblich besetzen wollen, die Kandidatinnen aber vergeblich suchen. In unserer Personalagentur lassen sich dazu einige Indizien finden.

Männer „ticken“ anders.
Der Grund, warum sich auf eine Stellenausschreibung in den meisten Fällen deutlich mehr Männer als Frauen bewerben, hat oft – man glaubt es kaum – evolutionsbiologische Gründe: Männer verfügen über einen höheren Testosteronspiegel, der sie risikofreudiger, mutiger und selbstbewusster macht – auch bei der Bewerbung um einen Job oder wenn es darum geht, etwas zu wagen. Dass dies allerdings nicht immer von Vorteil ist, hat die Welt z.B. in der globalen Finanzkrise zu spüren bekommen: Fast ausschliesslich Männer trafen die fatalen Risiko-Entscheidungen. Während Männer sich meist selbstbewusst für hohe Positionen bewerben, nehmen sich Frauen eher zurück, trumpfen längst nicht so auf und zweifeln weitaus schneller an sich und den eigenen Fähigkeiten.

Doch was die Männer an Selbstbewusstsein manchmal etwas zu viel haben, haben sie an Soft Skills oft zu wenig.

Und hier schlägt die Stunde der Frauen, die meist mit viel Empathie, sozialer Kompetenz, Team- und Kooperationsfähigkeit punkten können – Fähigkeiten, die wie verbindender Kit im zwischenmenschlichen Gefüge von Unternehmen wirken.

Stellenangebote schiessen übers Ziel hinaus
Auch wenn immer mehr Unternehmen gern mehr Frauen in mittleren und hohen Führungspositionen einstellen würden – wundern müssen sich viele nicht, dass sich kaum Frauen bewerben. Denn oftmals klingen die Anforderungen in den Stellenanzeigen wie eine Wunschliste an „Superman“ oder „Superwoman“. Und während Männer sich denken: „Das passt schon, ich versuch das mal“, zweifeln Frauen viel öfter an sich, wenn sie auch nur eine der genannten Anforderung nicht oder nur unzureichend erfüllen. Und so bewerben sie sich erst gar nicht – obwohl das Unternehmen eigentlich nur vermitteln wollte, welche Eigenschaften ideal wären, aber nicht alle unbedingt erforderlich sind. Wir empfehlen Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten, deshalb dringend, bereits in der Stellenausschreibung zu differenzieren zwischen Muss- und Kann-Anforderungen, um vor allem geeignete Kandidatinnen nicht gleich abzuschrecken.

Nur gelebte Gleichberechtigung ist authentisch
Mindestens ebenso wichtig wie die Stellenausschreibung ist letztlich aber das, womit eine Firma in Richtung Gleichberechtigung und frauenfreundlichen Arbeitsbedingungen tatsächlich aufwarten kann. Denn um gute Kandidatinnen für sich zu gewinnen, reicht der gute Wille allein nicht aus. Eine offene, gleichberechtigte Kultur ohne Vorurteile muss gelebt werden – bestenfalls nicht nur gegenüber Frauen, sondern auch gegenüber Religionen, Herkunftsländern und sexuellen Orientierungen.

Ein hohes Mass gegenseitigen Respekts auf allen Ebenen muss spürbar sein, ergänzt um (familienfreundliche) Arbeitsbedingungen, die diese Haltung unterstreichen. Elternzeit (auch für Väter), Gleitzeit-, Teilzeit-, Homeoffice- oder Job-Sharing-Arbeits-zeitmodelle sollten heute selbstverständlicher Standard sein, um im härter werdenden Kampf um qualifizierte Frauen wettbewerbsfähig zu bleiben. Und natürlich sollte auch die gleiche Bezahlung beider Geschlechter usus sein. Wenn all diese Faktoren tatsächlich authentisch gelebt und nicht nur versprochen werden, steigen die Chancen von Unternehmen, gut geeignete Kandidatinnen für sich zu gewinnen.

Frauen, traut euch!
Immer wieder begegnen uns in unserer Personalberatung erstklassig ausgebildete Frauen mit vielen Talenten und allen Eigenschaften, die sie zur optimalen Kandidatin für einen Top-Job machen. Wir ermutigen auch Sie, sich eine gut dotierte Position wirklich zuzutrauen, an die eigenen Fähigkeiten zu glauben und aktiv Ihre Chancen zu ergreifen; auch und gerade wenn Sie (noch) nicht allen Anforderungen entsprechen. Denn nur, wenn es mittel- und langfristig gelingt, bei den Frauen Zweifel und Hemmungen ab- und frauenfreundliche Bedingungen in Unternehmen aufzubauen, wird sich mehr als nur der monetäre Gewinn steigern.

Rubrik

gesucht

Ausgabe

Kultur und Konkurrenz

Sandra Poda

Beruf
HR Recruiter & Consultant / Unternehmerin

Kader
PODA. Personal- und Kaderselektion

Webseite
personalpoda.ch
femalerecruiting.ch

Seit 1998 tätig als Personal-beraterin mit Begeisterung für Mid und Advanced Careers, Vermittlung und Auswahl von Fach- und Führungskräften, Spezialisten- und Expertenpositionen. Seit 2007 selbständig. Schwerpunkte: Recruiting, Active Sourcing, Neue Arbeitswelten „Frauen in Führungspositionen“. Initiantin von femalerecruiting.ch. Grosses Netzwerk im HR-Bereich, aber auch zur Wirtschaft generell.

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