Florian Wieser, Founder und Partner bei The Relevent Collective.

The future is female!

Frauen haben beste Voraussetzungen, auf dem Weg in die vernetzte Zukunft ganz vorne mit dabei zu sein. Dessen ist sich Florian Wieser, Founder und Partner von The Relevent Collective sicher. Deshalb hat er gemeinsam mit seinem Team ThePurpose.Academy gestartet. Dieser praxisorientierte Zertifikatslehrgang soll dazu ermutigen, auf die Kraft der Diversität zu setzen und das Potential der Mütter auszuschöpfen. Wie ist zu dieser Idee gekommen?

Wir leben im Jahr 2017. Uns fehlt das Selbstverständnis für echte Angebote für Frauen, die Mütter und im Family Management tätig sind. Warum führen wir die gleichen Diskussionen seit bald 30 Jahren? Warum haben wir zwar mehr Krippen, aber noch immer keine schlaue Lösung für deren Finanzierung? Oder noch besser: warum sind arbeitserleichternde Tagesstrukturen an der Volksschule kein Thema?

Warum agieren Arbeitgeber immer noch wie in den 70er-Jahren?

Der IST-Zustand ist mau, deshalb interessiert es mich, an einer Zukunft zu arbeiten, die ein echtes Angebot schafft. Dazu kommt, dass in der Schweiz traditionelle Familienmodelle noch immer einer Idealvorstellung entsprechen. Die Dringlichkeit für eine fortschrittliche Haltung gegenüber neuen Arbeits- und Lebensformen ist noch grösser als in anderen Ländern in Europa. Konzerne tun sich häufig immer noch schwer, interessante Teilzeitstellen für Frauen anzubieten, geschweige denn Frauen in Führungspositionen zu fördern.

Welche Qualitäten bringen Mütter in ein Team ein?

Zuhören, Erfassen, Nachfragen, Lesen, Interpretieren, Vertiefen, Bestärken, Inspirieren. Diese Qualitäten helfen nicht nur intern, sondern auch im Umgang mit Kunden, wenn es darum geht, Menschen, Organisationen und Branchen schnell zu erfassen, um ihnen eine sinnvolle, erstrebenswerte Perspektive aufzeigen zu können. Ich arbeite daher auch auf weibliche Führungskräfte hin, die in Zukunft die unternehmerischen Belange leiten sollen. (Digitale) Transformation braucht Frauen! Männer verstehen die Transformation als Technologie. Um die geht es aber sekundär.

Ich kann es überzeugter gar nicht sagen: The Future is Female!

Es ist also bloss ein bisschen Empathie, die der Wirtschaft fehlt?

Ich möchte hier Sheryl Sandberg, COO von Facebook zitieren: “Men still run the world – and it’s not going that well.” Es wird neue Organisationsformen, neue Ökonomien, vielleicht sogar eine Alternative zum Kapitalismus und mehr Frauen in der Wirtschaft brauchen, um wieder etwas näher an die Natur des Menschen zu kommen. Das wird noch Generationen dauern. Die Industrialisierung hat uns entwurzelt. Frauen bedeuten für mich auch die Chance, weg vom Kampf und hin zur Achtsamkeit zu kommen. Es geht darum, vermehrt Lösungen zu suchen statt Kriege zu erklären. Eher zu geben als zu nehmen – als Basis für Kollaboration und Kooperation. Zu einem solchen Bewusstsein möchten wir mit unserer Weiterbildung beitragen.

Sie sind Unternehmer. Geht es Ihnen um die Wirtschaft und um die Bildungsgelder, die verloren gehen, wenn Frauen nicht arbeiten?

Ja, als Unternehmer interessiert mich die Zukunft der Wirtschaft. Es ärgert mich, dass so viele gut ausgebildete Frauen einfach vom Markt verschwinden – noch schlimmer, sie verschwinden nicht, sondern entscheiden sich bewusst gegen den Markt. Das zeigt, dass der Markt und die Wirtschaft keine attraktiven
Angebote anbieten, obwohl die Nachfrage hoch ist. In der Wirtschaft herrscht zurzeit der Machterhalt der Babyboomer vor. Wir versuchen zu unserem Engagement mit den Frauen auch zu ergründen, warum es zu dieser Haltung von vor allem männlichen 50+ Wirtschaftsführern kommt. Auswirkung dieser Haltung gegenüber Zukunftsgestaltung, den nächsten Generationen und den Frauen erleben wir im täglichen Geschäft. Sie verhindert Fortschritt, Innovation oder konkreter:

Der Machterhalt verunmöglicht neue Organisationsformen, die wiederum erst echte Jobangebote möglich machen.

Ein Teufelskreis. Wir müssen neu gestalten.

Was unterscheidet Ihren Lehrgang von anderen Angeboten?

Wir haben uns bestehende Angebote angesehen und mit Teilnehmerinnen und Initiantinnen gesprochen. Die meisten Angebote setzen auf Leadership: Frauen sollen vermehrt in Führungspositionen gebracht werden. Das macht durchaus Sinn, trifft aber nicht auf alle zu. Nicht alle Frauen wollen sich in den männlich definierten Strukturen einordnen und assimilieren. Viele wünschen sich anders konzipierte, weiblicher orientierte Strukturen. In Gesprächen mit Müttern hat sich ausserdem gezeigt, dass es bei vielen erst mal um eine sinnhafte Tätigkeit geht und nicht in erster Linie um Führungsverantwortung. Für mich die schlagkräftigste Aussage war: „Warum sollte ich meine Kinder, die ich liebe, gegen einen doofen Job mit einem Unmensch an Chef eintauschen wollen? Da bleibe ich lieber bei meinen Kindern und mache da einen super Job, um einen Beitrag zur Gesellschaft und Wirtschaft zu leisten.”

Wie reagieren Akteure aus der Wirtschaft auf Ihr Vorhaben?

Der Generationengap ist sehr stark spürbar. Während die junge Generation durchaus interessiert reagiert und mithelfen möchte, die Veränderung anzustossen, reagieren die weiblichen Vertreterinnen der Generation 50 und älter praktisch immun, weil sie sich mit dem Status quo arrangiert haben

Die männlichen Vertreter reagieren betont uninteressiert.

Mit welchen Partnern möchten Sie zusammenarbeiten?

Wir laden Arbeitgeber, Bildungsinstitutionen und Themen-Experten aus allen Generationen zur Zusammenarbeit ein.

Wir alle sind daran interessiert, dass die Volkswirtschaft weiterhin prosperiert.

Wir werden uns aber nicht mit einem Unternehmen oder einer Institution exklusiv einlassen, da wir sonst das Thema, das uns alle angeht, im Kern ersticken würden. Es muss eine offene Plattform für den Diskurs, das Experiment und die Initiative bleiben. Deshalb auch die neutrale Themenplattform iamfuture.ch

Was erhoffen Sie sich langfristig von Ihrem Engagement?

1. Dass wir es schaffen, Unternehmen zu transformieren, weil Frauen die (digitale) Transformation nachhaltig manifestieren. Dass Frauen dadurch zu selbstverständlichen Expertinnen werden mit sinnhaften Aufgaben und einer guten Portion Verantwortung.

2. Dass wir eine echte Veränderung der Rahmenbedingungen in der Schweiz veranlassen und dadurch einen gesellschaftlichen Beitrag leisten.

3. Dass sich die Kraft der Diversität durchsetzt und wir die nächste Generation sind, die die Wirtschaft neu gestaltet.

Rubrik

geplant

Ausgabe

Digital und Generation

Firmenname

Sitz
Zürich

Webseite
thepurpose.academy

Zweck
Wir bieten eine zukunftsweisende Weiterbildung für Frauen mit Kindern, die sich in Kommunikation fit für ihren nächsten Karriereschritt machen wollen.

Zürich – Weiterbildung – Start: 12. Januar 2018

Die Welt der Selbstständigkeit

Sie schärfen die Option Selbständigkeit, erfahren, was es für verschiedene Formen wie Start-Up, Entrepreneur oder Mompreneur gibt, und tauchen ein in die Selbstvermarktung mit Webseite, Online- Kampagnen und E-commerce.

Kosten
CHF 2’800.-

Unterichtssprache
Deutsch, Unterlagen teilweise Englisch

Unterrichtsmodule
Halbtags, jeweils Freitags von 9:00 – 12:00 Uhr

Für wen?
Für Mütter, die sich nach einer Familienpause fragen, ob sie ihren früheren Job noch können und noch up-to-date sind mit ihrem Wissen.

Modul 1

Kick-off und Standortbestimmung

Sich selber und gegenseitig Kennenlernen: Was motiviert Sie wirklichund womit verlieren Sie Energie, welche Rolle nehmen Sie in einem Team ein und was ist Ihnen in der Zusammenarbeit wichtig. Welche Ziele setzen Sie sich für Ihre berufliche Zukunft?

Modul 2

Perspektivengestaltung

Basierend auf Ihrer Standortbestimmung schärfen Sie Ihre Perspektive. Welchen einmaligen Beitrag können Sie zum Erfolg eines Unternehmens beitragen. Was zeichnet Sie besonders aus? Passen Sie zu dem, was Sie mit Ihrer Zukunft vorhaben?

Modul 3

Projektmanagement 4.0

Sie lernen die ausgewählten Tools und ihr Zusammenspiel kennen – für eine effiziente und lebendige Zusammenarbeit mit Kunden.

Modul 4

Organisation und Leadership 4.0

Durch die digitale Transformation werden traditionelle Hierachien durch neue Organisationsformen abgelöst. Was sind die Vorteile verschiedener Organisationsformen und in welchen Situationen machen diese Sinn? Auch lernen Sie zukunftsgerichtete Arbeitsmodelle wie “Jobsharing” kennen.

Modul 5

Kommunikation 4.0

Sie erhalten einen Einblick in unterschiedliche Kommunikationskanäle (Social Media, E-Mail, Slack etc.) und erfahren, wie diese Kanäle crossmedial zusammenspielen können. Lernen Sie an praktischen Beispielen, welchen Nutzen Content, Engagement und Daten generieren können.

Modul 6

Organisation und Leadership 4.0

Durch die digitale Transformation werden traditionelle Hierachien durch neue Organisationsformen abgelöst. Was sind die Vorteile verschiedener Organisationsformen und in welchen Situationen machen diese Sinn? Auch lernen Sie zukunftsgerichtete Arbeitsmodelle wie “Jobsharing” kennen.

Modul 7

Die Welt der Selbstständigkeit

Sie schärfen die Option Selbständigkeit, erfahren, was es für verschiedene Formen wie Start-Up, Entrepreneur oder Mompreneur gibt, und tauchen ein in die Selbstvermarktung mit Webseite, Online- Kampagnen und E-commerce.

Modul 8

Reflexion / Mentoring

In diesem Modul schauen wir gemeinsam zurück. In Feedbackrunden betrachten wir das anfänglich Erarbeitete und reflektieren, wo wir heute stehen – in Bezug auf Klarheit, Bedürfnisse und der gestalteten Perspektive generell. Und wir prüfen, inwieweit Sie zur digitalen Transformatorin geworden sind und Unternehmen diesbezüglich begleiten können.

Comments are closed.

FRAUENJOBS.CH