Employer-Branding: Wirkung und Potenzial
April 6, 2018
NZZ Netversity 50/50
April 6, 2018

Altertümliche Stereotypen beeinflussen unsere heutige Unternehmenswelt.

UNTERNEHMENSKULTUR: WAS BRAUCHEN WEIBLICHE FÜHRUNGSKRÄFTE?

In der Theorie schreiben sich viele Unternehmen auf die Fahne, verstärkt Frauen einstellen oder weibliche Führungskräfte heranziehen zu wollen. Doch in der Realität sieht es häufig anders aus: Die Chefetagen werden immer noch überwiegend von Männern regiert. Und wer kennt ihn nicht, den Mythos, dass Frauen sich ihren männlichen Kontrahenten anpassen müssen, wenn sie erfolgreich sein wollen? Doch wie sollte eine Unternehmenskultur sein, die Frauen in Top-Positionen fördert?

Die Unternehmenskultur bestimmt, wer an die Spitze kommt!
Wir haben nach der Antwort auf diese Frage gesucht und sind bei möglichen Ansätzen in einer Studie fündig geworden. Die Studie namens „Perceptions to Network Structur Affect Gendered Attribution of Charisma“ stammt von Professor Jochen Menges, Lehrstuhlinhaber für Führung und Personalmanagement an der WHU – Otto Beisheim School of Management und wurde in Zusammenarbeit mit Forschern zweier Londoner Universitäten durchgeführt. Für diese Erkenntnisse wurden im Rahmen der Studie Daten von über 500 Personen in drei separaten Untersuchungen ausgewertet.

Eine der wichtigsten Kernaussagen:

Unternehmen müssen etwas verändern, wenn sie Frauen an die Spitze katapultieren wollen.

Denn die Unternehmenskultur hat einen grossen Einfluss, wie Frauen oder Männer als Führungskraft angesehen werden.

Eine Kultur des Zusammenhalts ist für Frauen wichtig
Um weiblichen Führungskräften ein Umfeld im Unternehmen zu bieten, in dem sie sich wohlfühlen und als charismatisch anerkannt werden, ist es wichtig, dass eine Kultur des Zusammenhalts gelebt wird. Das Ergebnis der Studie: Die Beziehung der Mitarbeitenden untereinander und das soziale Umfeld innerhalb eines Unternehmens haben einen grossen Einfluss darauf, ob Männer oder Frauen als Führungskräfte im Unternehmen eine Chance haben.

Der Grund:
In einem Unternehmen, bei dem das soziale Umfeld von einem starken Zusammenhalt geprägt wird, wirken häufig die Frauen als die charismatischeren Führungskräfte.

Ist die Kultur im Unternehmen eher zentralistisch und hierarchisch geprägt, wirken Männer charismatischer als ihre weiblichen Kolleginnen. Warum charismatisch? Zuschreibungen von Charisma sind enorm wichtig, da sie häufig bestimmen, wer in Führungspositionen kommt und wer nicht.

Das Verhalten macht keinen Unterschied – nur die Unternehmenskultur!
Dieser Aspekt ist besonders bemerkenswert: Die geschlechterabhängigen Unterschiede und Vorurteile entstehen nicht durch das Verhalten der Männer oder Frauen selbst, sondern werden von dem Umfeld bedingt, in dem sie arbeiten.

In einer Investmentbank, in der starke, dominante Leader gefragt sind, haben Männer schon unternehmenskulturell bedingt Vorteile, als Führungskraft zu bestehen. Unternehmen, die Frauen in Kaderpositionen fördern möchten, sollten also gesteigerten Wert darauf legen, ihre Unternehmenskultur stärker in Richtung Zusammenhalt zu lenken und starre Hierarchien abzubauen. Die Studie zeigt also ganz deutlich: Die Aufstiegschancen für Frauen hängen nicht nur davon ab, wie leistungsbereit sie selbst sind, sondern auch daran, in welchem sozialen Kontext sie sich bewegen. In einer der drei durchgeführten Studien wurden den Teilnehmern identische Informationen über das Verhalten und die Leistung einer Führungskraft vorgelegt und darum gebeten, das Charisma der Führungskraft einzustufen. Bei einer Gruppe wurde die Führungskraft Michael genannt, bei der anderen Gruppe Michelle. Faszinierenderweise empfanden die Teilnehmer Michelle charismatischer als Michael in zusammenhängenden, engen Organisationen. Aber in zentralisierten Unternehmen war es genau umgekehrt: In hierarchischen Kontexten wurde Michael als charismatischer wahrgenommen als Michelle.

Doch woher kommen diese Einschätzungen der Probanden in der Studie?

Die Antwort:

Der Stereotyp ist schuld.

Männer sind stereotypisch dominant, kontrollierend und hierarchisch. Deshalb sehen wir sie auch eher in Organisationen, die hierarchisch funktionieren. Der Stereotyp Frau ist fürsorglich, empathisch und strahlt Wärme aus.

Deshalb weist man sie eher Unternehmen zu, die durch starke Bindungen charakterisiert werden.

Das bedeutet:
Auch, wenn sich männliche und weibliche Führungskräfte in Verhalten und Leistung gar nicht unterscheiden, hängen ihre von anderen wahrgenommenen Führungsfähigkeiten und damit ihre Aufstiegschancen davon ab, in welcher Art von sozialem Kontext sie sich befinden.

In klassischen Strukturen haben Männer also Vorteile, weil sie im Kontext besser wahrgenommen werden, als Frauen mit gleicher Leistung, egal, ob sie es tatsächlich sind oder nicht.

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Kompetenz und Kultur

Gut zu wissen

die to do’s für eine frauenfördernde unternehmenskultur

Unternehmen müssen flache Strukturen mit einer Kultur des intensiven, ständigen Austauschs und gegenseitiger Hilfe schaffen.
Der interne Wettbewerb sollte zurückgefahren werden. Stattdessen zählen Zusammenarbeit, Hilfsbereitschaft und Austausch.
Eine Kultur des Zusammenhaltes und der Offenheit ist das A und O.
Dann entstehen mehr Verbindungen zwischen Mitarbeitenden und über Team- und Abteilungsgrenzen hinaus.

tipps für sie als frau

Sie als Frau können aus der Studie lernen, dass es wichtig ist, welches Unternehmen Sie sich als Arbeitgeber aussuchen. Ob Sie aufsteigen oder nicht, liegt nicht nur an Ihren eigenen Leistungen und Ihrem Verhalten, sondern auch an der Kultur im Unternehmen. Setzen Sie deshalb gezielt auf Unternehmen, die flacher aufgestellt sind. Es sollte willkommen sein, dass Mitarbeitende einander um Rat und Hilfe bitten und das über Hierarchie- und Funktionsgrenzen hinaus. Hier stehen Ihre Chancen besser, in Kaderpositionen zu kommen. Wenn Sie sich allerdings bereits in hierarchisch geprägten Organisationen befinden, könnte ein Ansatz sein, zumindest lokal dieser Zentralisierungstendenz entgegenzuwirken und in Ihrem Team flache Strukturen und regen Austausch zu fördern.

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