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Coopetitors-Treffen bringen Unternehmen weiter.

Voneinander lernen, statt zu konkurrieren: Coopetitors-Treffen

Zur Firmenkultur gehört auch der Umgang mit Fehlern. Viele Unternehmen sagen über sich selber, dass sie eine offene Fehlerkultur pflegen und ehrlich und proaktiv mit Fehlern umgehen. Das stimmt auch meistens – jedoch oft nur auf den internen Bereich bezogen. Wer will schon vor der Konkurrenz seine Fehler zugeben und offen darüber reden, was schlecht gelaufen ist?

Während einige Unternehmen durch Konkurrenzanalysen herauszufinden versuchen, was die liebe Konkurrenz besser macht, wo sie sich abheben können und wo die Konkurrenz ganz einfach schneller ist, gibt es andere, die einen anderen Weg gehen; sie fragen den Wettbewerber einfach mal! Die Idee von Coopetitors-Treffen ist, sich mit den vermeintlichen Gegnern offen auszutauschen und über Probleme, Learnings und Ideen zu sprechen! Doch bevor wir in diesem Artikel zu unserem eigentlichen Praxistipp kommen und Ihnen verraten, wie Sie bei Coopetitors-Treffen richtig vorgehen, möchten wir noch einen Appell an uns Frauen richten. Wir kennen es aus unseren eigenen Berufsleben und bekommen es auch von Freundinnen immer wieder mit:

Frauen in hohen Positionen im Unternehmen machen es häufig ausgerechnet ihrem weiblichen Nachwuchs nicht leicht.

Kratzbürstigkeit und Stutenbissigkeit sind leider immer noch Begriffe, die häufig die weibliche Führungsriege zu beschreiben vermögen. Natürlich (!) beschränken wir uns hier auf persönliche Erfahrungen und Erfahrungsberichte aus unserem Umfeld und möchten an dieser Stelle klarstellen, dass man nicht alle über einen Kamm scheren kann. Dennoch ist es uns gerade in Hinblick auf die Themen Kultur und Konkurrenz ein Anliegen. Denn wir sind überzeugt: Besonders wir Frauen müssen doch lernen, uns zu unterstützen, unsereins an die Spitze zu bringen. Wir müssen zusammenhalten und sollten nicht gegeneinander arbeiten. Denn wenn zwei sich streiten, freut sich nun mal der Dritte. Und das ist doch viel zu häufig ein Mann, haben wir Recht?

Coopetitors-Treffen: Konkurrenten lassen die Hosen runter
Bezugnehmend auf unseren obigen Appell ist es also auch nicht verwunderlich, dass die Idee der Coopetitors-Treffen von einer Gruppe männlicher Unternehmer aus Deutschland stammt. Sie haben die Meeting-Form Coopetitors für sich entwickelt. Der Begriff beschreibt eine Mischung aus Kooperation und Wettbewerber (Competitors). Dazu haben sich insgesamt vier kleine Unternehmen zusammengetan, die allesamt ein sehr ähnliches Geschäftsmodell und vor allem fast das gleiche Kundenfeld haben.

Doch dieses Meeting war nicht irgendein Netzwerk-Treffen, bei dem man oberflächlich vom Geschäft erzählt.

Die Unternehmer liessen auf gut Deutsch die Hosen herunter. Sie sprachen offen und im Detail über Umsätze, Probleme, Erfolge und Misserfolge. Und genau so konnten sie eine Menge voneinander lernen.

Sie stellten fest, dass sie in manchen Bereichen allesamt die gleichen Fehler gemacht hatten, doch sie lernten neue Lösungen kennen.

Auch manche Probleme, die ganz aktuell waren, teilten die Konkurrenten. Gemeinsam entwickelten sie Lösungswege. Genauso helfen Kontakte, die man sich ganz einfach weitergeben kann und die sind ja bekanntlich in jedem Geschäft Gold wert.

Besonders wichtig: Auch, wenn der Konkurrent ein ähnliches Kundenfeld hat und das Geschäftsmodell vermeintlich gleich ist, unterscheiden sich Wettbewerber dennoch immer voneinander in bestimmten Bereichen. Genau diese Unterschiede haben die Unternehmer in diesem Treffen herausgearbeitet. Sie stellten fest, dass es Gebiete gibt, auf die der eine oder der andere stärker fokussiert ist. Das Resultat dieser Offenheit: Es entstand dadurch die Möglichkeit, sogar als Konkurrenten zusammenzuarbeiten.

Sie sehen: Es bringt Ihnen viele Vorteile, wenn Sie sich mit der Konkurrenz zusammenschliessen. Gerade kleine Firmen können so sogar stärker werden.

So kommen Sie zu Ihrem ganz eigenen Coopetitors-Treffen
Wie können Sie die aufgeführten Vorteile der Coopetitors-Treffen für sich nutzen? Probieren Sie es doch einfach einmal aus. Diese Schritt-für-Schritt-Anleitung hilft Ihnen dabei:

Schritt 1: Besuchen Sie Messen oder Konferenzen, auf denen sich die Konkurrenz ebenfalls herumtreibt. Suchen Sie vor Ort aktiv das Gespräch.

Tipp: Arbeiten Sie vor und suchen Sie sich schon vor der Messe die Kontakte raus und bitten Sie um Termine mit entsprechenden Ansprechpartnern vom Konkurrenz-Unternehmen.

Schritt 2: Unterbreiten Sie der Konkurrenz das Angebot zu einem Coopetitors-Treffen. Verdeutlichen Sie dabei, dass es um einen sehr offenen Austausch über Probleme, Wachstum und auch Investitionen und Zahlen geht, der das Ergebnis haben könnte, dass die eigentlichen Wettbewerber voneinander profitieren.

Schritt 3:

Sorgen Sie nach dem Treffen auf der Konferenz oder der Messe für eine ordentliche Nachbereitung.

Schreiben Sie Ihrem Wettbewerber eine E-Mail über das geführte Gespräch und machen Sie am besten auch schon einen Termin-Vorschlag für das Coopetitors-Treffen.

Schritt 4: Ist ein Termin gefunden, schadet es auch nicht, einen genauen Plan für das Treffen zu haben. Denn so kann sich jeder der Teilnehmer darauf vorbereiten, worüber gesprochen wird und sogar mögliche Unter-
lagen mitbringen. Tagesordnungspunkte könnten zum Beispiel sein:

  • Welcher Fehler hat das Unternehmen bislang am stärksten existenziell bedroht?
  • Welche Marketing-Aktion war im letzten Jahr am erfolgreichsten?
  • Wie bedient ihr die neuen Medien?
  • Welche Probleme gibt es bei Mitarbeitenden und wie geht ihr damit um?
  • In welchem Bereich investiert ihr am stärksten?

Das sind natürlich nur Beispiele. Wahrscheinlich können Sie die Fragen sogar noch konkreter auf Ihr Geschäft formulieren.

Schritt 5: Beim Treffen selbst ist es wichtig, dass Sie als Initiator auch wirklich offen mit Ihren Zahlen und Unternehmensangelegenheiten umgehen. Nur so kann das Netzwerktreffen auch die besondere Form annehmen und im Endeffekt die erwünschten Früchte tragen. Trauen Sie sich zur Offenheit!

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Kultur und Konkurrenz

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